Die Bühne ist angerichtet und der Löwenkäfig für dieses Duell mehr als würdig. Der amtierende Meister aus Fribourg ist zu Gast und möchte den ZSC Lions die heutige Suppe versalzen. Für die einen geht es um Punkte, für die anderen auch - mit kleinem Bonus. Die Limmatstädter können mit einem Sieg Geschichte schreiben: noch nie ist eine Mannschaft mit zehn Siegen in Serie in die Saison gestartet. Diesen Leckerbissen möchte sich kaum einer entgehen lassen, so auch Carey Price. Die NHL-Torhüter-Ikone (über 700 Spiele für die Montreal Canadiens) ist der Schwager von Yannick Weber und nimmt Platz in der Swiss Life Arena. Und am Ende wird er sich wohl denken, dass sich dieser Besuch gelohnt hat. Denn der Unterhaltungswert ist an diesem Samstagabend gross. Nervenkitzel? Oh ja. Drama? Aber bitte. Wie es das Drehbuch so will, geht auch die dritte Partie in Folge in die Overtime. Mehr Spannung geht in der Qualifikation kaum.
Die Moral stimmt
Kalte Dusche gleich zu Beginn. Nathan Marchon brauch knapp zweieinhalb Minuten, um den Meister in Führung zu schiessen. Das hat sich Claude Julien und sein Team natürlich anders vorgestellt. Er betont vor und auch nach dem Spiel, dass diese Partie natürlich einen schönen Nebeneffekt haben könnte, das Team aber bodenständig agieren soll. Aber man dürfe sich gerne für die bisherigen Leistungen belohnen und diesen zehnten Sieg unbedingt anstreben. Das zeigt sich eine Minute nach dem Rückschlag. Jesper Frödén lenkt gekonnt einen Schuss von Tim Berni ab zum 1:1. Es kommt noch besser im ersten Abschnitt: Thierry Bader luchst der Gottéron-Abwehr die Scheibe ab, dreht sich und vollendet wuchtig aus dem Handgelenk zum 2:1 (14'). Ludovic Waeber hat keine Chance bei dieser Aktion. Von nun an sind es die Lions, die jeweils in Führung sind und diese auch wieder aus der Hand geben werden. Weber kassiert mit der Pausensirene noch eine Strafe, die sich leider rächt. Anthony Richard erzielt in Überzahl, fünf Sekunden vor Ablauf der Strafe, den 2:2-Ausgleichstreffer. Haben wir schon Mal erwähnt, dass Jesper Frödén der Mann für die wichtigen Momente ist? Klar haben wir und betonen es heute gerne nochmals. Es dauert exakt 89 Sekunden, da netzt der Schwede wieder ein. Nun wird Resultat-Ping-Pong gespielt. Nationalstürmer Bertschy erzielt in Unterzahl (erneut wie bereits am Vorabend in Lugano) ein Tor und ballt die Faust. Den Zürchern bleiben aber noch ein wenig mehr als eine Minute im Powerplay, die Chris Baltisberger höchstpersönlich nutzt. Auch er lenkt seinen vierten Saisontreffer in Überzahl an Waeber vorbei. Hier empfehlen wir die Wiederholung in den Highlights anzuschauen. Wie der Chris die Scheibe in die andere Richtung lenkt, ist schlichtweg Weltklasse.
Nichts für schwache Nerven
Stadionsprecher Giovi Marti sagt an: die zwei letzten Spielminuten brechen an. Während Waeber zuschaut, stehen sechs Gottéron-Spieler auf dem Eis und wollen die Red Bull Overtime erzwingen.Und siehe da, Hedlund gelingt das Kunststück 42 Sekunden vor dem Ende. Nur Sekunden zuvor hat Hrubec noch den Ausgleich mirakulös verhindert, doch hier war en chancenlos. Danach geht es in die Verlängerung. Die Mannschaft von Claude Julien scheint bedient und genervt, es nicht über die Zeit gebracht zu haben. Nun wird es ein wilder Ritt in den nächsten Minuten. Hin und her. Aufregung hier, Raunen da. Derek Grant hat den Siegtreffer auf der Schaufel, will Ludo Waeber ausgucken, doch der pariert gekonnt. Nach genau 64 Minuten und 28 Sekunden meinen es die Hockeygötter besser mit dem Zett. Juho scheitert mit seinem ersten Abschluss noch am Fribourg-Schlussmann, reagiert aber blitzschnell im Nachgang. Aus sehr spitzem Winkel schiesst er Waeber's Rücken an, von dort prallt die Scheibe an die Schulter von Richard und landet hinter der Torlinie. Slapstick par excellence! Doch der Drops ist damit gelutscht und der Rekord vollbracht. Die ZSC Lions gewinnen gegen Meister Fribourg mit 5:4 nach Verlängerung. Ps: eigentlich war sowieso alles angerichtet. Andrighetto mit der 10 als Spieler im Fokus und das Spieldatum 10.10.2026. Alles hat am Ende gepasst.
(Marko Filipovic)



























