Rückblicke auf Meisterschaften, in denen nicht alles gelungen ist und die gesamthaft als eher «mittelmässig» einzustufen sind, wirken vielfach wie bereits hundertfach gebrauchte Floskeln nach dem Schema: «Ja, wir werden alles analysieren etc.». Monika Waidacher und Christine Meier, die beide erst seit dieser Saison im Amt sind, sind eine löbliche Ausnahme. Sie wissen beide, wo es langgehen soll und sie sind auch bereit, unangenehme Entscheide zu treffen, ohne dabei den Fokus auf das Wohl der ganzen Organisation zu verlieren.
Monika Waidacher, Sie sind seit Beginn dieser Saison die Gesamtverantwortliche für die Frauenteams. Wie sieht Ihre Bilanz nach der ersten Saison im Amt aus? Alle drei Teams der Löwinnen sind ja frühzeitig aus dem Meisterschaftsrennen ausgeschieden…
Monika Waidacher: Das ist in der Tat richtig und gefällt uns gar nicht. Seien wir ehrlich: Wir haben mehr erwartet. Punkt.
Sie und Sportchefin Christine Meier haben vor dieser Saison immer wieder von einer «Übergangsaison» gesprochen. Was soll nun anders werden?
Christine Meier und ich haben auf die inzwischen beendete Saison hin unsere Ämter übernommen. Da ist es angebracht, von einer «Übergangsaison» zu sprechen. Wir sind quasi wie Lehrlinge in den Job eingestiegen und die ganze Arbeit war ein «learning-by-doing». Das gilt auch für unseren Headcoach Angela Taylor, die erstmals ein Frauen-Klubteam geführt hat.
Sie sind also praktisch ins «kalte Wasser» geworfen worden…
Ja, so könnte man es formulieren, wobei wir ja freiwillig angetreten sind. Vielleicht wäre die Formulierung «wir sind ins kalte Wasser gesprungen» besser. Wir sind sehr gut eingeführt worden, haben aber schnell merken müssen, dass wir eine gewaltige Aufgabe übernommen haben. Wenn wir bedenken, dass die drei Teams über Jahre hinweg von Angela und Andi Weber quasi im Alleingang geführt wurden, muss man schon sagen: Wow, was für eine Leistung. Respekt!
Die «Übergangsaison» ist vorbei, das Resultat war – sagen wirs mal so – «mittelmässig». Was passiert nun?
Wir müssen und wollen angreifen! Das heisst, wir müssen uns auf allen Ebenen, sowohl sportlich als auch organisatorisch, steigern.
Können Sie etwas konkreter werden?
Sportlich stehen für uns zwei zentrale Erfolgsfaktoren im Fokus: Zum einen das reibungslose Zusammenspiel unserer Pyramide mit den ZSC Lions Frauen, den GCK Lions Frauen und den ZSC Lions Girls. Hier sehen wir spannende Entwicklungsmöglichkeiten – insbesondere in der Organisation, der internen Kommunikation und der Zusammenarbeit über alle Teams hinweg. Ein wichtiger Schritt ist, dass unsere Sportchefin Christine Meier künftig alle drei Teams eng begleiten wird. Gleichzeitig geht es auch darum, die Pyramide noch stärker im Mindset aller Beteiligten zu verankern. Spielerinnen sollen diesen Weg aktiv mittragen und als Chance verstehen. Ein Wechsel innerhalb der Teams bietet die Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen, als Leaderin voranzugehen und die eigene Entwicklung gezielt voranzutreiben.
Und klar ist auch: Wenn wir an der Spitze mitspielen wollen, brauchen wir ein starkes Gesamtpaket – dazu gehören unter anderem auch vier Top-Ausländerinnen, die den Unterschied ausmachen können.
Wenn Sie alles Revue passieren lassen: Was war der Höhepunkt der Saison 2025/26?
Es gibt viele, ganz alltägliche Sachen, die ich der Kategorie Highlights zuordnen möchte. Die tägliche Arbeit zum Beispiel. Sicher war der Family-Day mit dem neuen Zuschauerrekord in der PostFinance Women's League ein besonderes Highlight, persönlich und für die ganze Organisation. Nicht vergessen möchte ich auch die Cup-Bronzemedaille, auch wenn sie das Minimum ist, was wir erreichen wollten.
Planen Sie auch nächste Saison einen Family-Day oder einen ähnlichen Event?
Ja, es wird einen Family Day 2.0 geben. Ähnlich aufgebaut wie der erste äusserst erfolgreiche Event. Wir sind bereits dran, die nötigen Schritte einzuleiten und mit dem 23. Januar 2027 steht auch das Datum bereits fest.
Das Frauenhockey hat sich positiv entwickelt. Was sind Ihrer Meinung nach die nächsten Schritte der Organisation und generell, die es zu unternehmen gilt?
Für uns steht eine noch bessere Integration in die Lions-Organisation im Vordergrund. Wir können bereits heute von enorm vielen Sachen (zum Beispiel einer Super-Infrastruktur) profitieren, aber ich denke, da gibt es noch Verbesserungspotential. Allgemein gilt es, den Schub, den das Fraueneishockey unter anderem mit den Olympischen Spielen ausgelöst hat, konsequent auszunutzen. Auf der jeder Ebene, sprich im Verband, in allen Klubs etc.
Christine Meier, wie sieht die Saisonbilanz aus der Sicht der Sportchefin aus?
Christine Meier: Wenn man die Saison gesamthaft betrachtet, fällt die Bilanz gemischt aus. Wir hatten Phasen, in denen die Mannschaft sehr gutes Eishockey gezeigt hat und andere, in denen wir schlichtweg zu wenig Tore geschossen haben. Positiv ist sicher, dass sich einige Spielerinnen individuell gut weiterentwickelt haben und wir als Team in vielen Spielen konkurrenzfähig waren. Gleichzeitig haben wir gesehen, in welchen Bereichen wir uns verbessern müssen, wenn wir in der Liga ganz vorne mitspielen wollen.
Funktioniert Ihrer Meinung nach die Pyramide – ZSC Lions Frauen in der PostFinance Women's League, GCK Lions in der SWHL B und ZSC Lions Girls in der SWHL C – in dieser Form? Oder anders gefragt: Gibt es genügend junge Spielerinnen in der Organisation, die auf die kommende Saison den Sprung in die höhere Liga schaffen können? Oder müssen die ZSC Lions Frauen wieder vermehrt bei anderen Teams nach Verstärkungen suchen?
Wir sind überzeugt von dieser Struktur. Die Pyramide mit den drei Teams gibt unseren Spielerinnen einen klaren Entwicklungsweg innerhalb der Organisation vor. Junge Talente können Schritt für Schritt an das höhere Niveau herangeführt werden. Natürlich braucht Entwicklung Zeit und nicht jede Spielerin macht den nächsten Schritt im gleichen Tempo. Wir haben aber einige junge Spielerinnen im System, denen wir zutrauen, in den nächsten Jahren den Sprung nach oben zu schaffen. Gleichzeitig gehört es im Leistungssport auch dazu, den Kader punktuell mit Spielerinnen von ausserhalb zu verstärken, wenn wir uns gezielt verbessern wollen.
Sie sind einerseits als Sportverantwortliche die «Chefin» von Headcoach Angela Taylor, andererseits ihre Assistenztrainerin. Birgt diese Doppelrolle kein Konfliktpotential in sich?
Das ist eine spezielle Konstellation, das stimmt. Für mich ist aber entscheidend, dass die Rollen klar definiert sind. Im sportlichen Alltag auf dem Eis arbeiten wir als Trainerteam eng zusammen, aber Angela hat klar den Lead. In meiner Funktion als Sportverantwortliche geht es eher um strategische Themen, Planung und Kaderstruktur. Bisher funktioniert diese Zusammenarbeit sehr gut, weil wir offen kommunizieren und ein gemeinsames Ziel verfolgen: die Weiterentwicklung der Mannschaft und der gesamten Organisation.
Angela Taylor hat noch einen Vertrag für die nächste Saison. Wie sind Sie mit ihrer Arbeit zufrieden?
Ich bin sehr zufrieden mit ihr. Wir wussten um die schwerwiegenden Abgänge im letzten Jahr. Tayli (wie wir sie nennen) hat gut mit dem Team gearbeitet, wichtige Impulse gesetzt bei der individuellen Entwicklung, aber auch als ganzes Team. Wir hatten nach Abschluss der Qualifikation das beste Boxplay, das zweibeste Powerplay sowie am zweitwenigsten Tore kassiert. Natürlich werden wir gemeinsam die Saison analysieren und schauen, wo wir uns als Team und Trainerstab weiter verbessern können. Aber insgesamt schätzen wir ihre Arbeit sehr und freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit.
Die ZSC Lions Frauen haben zu wenig Tore geschossen, das ist ein statistischer Fakt. Wie denken Sie, dieses «Problem» zu lösen?
Ja das ist leider so. Wir werden in der Vorbereitung sicher einen Schwerpunkt auf diesen Bereich legen. Tore schiessen fängt im Training an. Hier müssen wir wahrscheinlich strenger sein im Training, damit gute Gewohnheiten bereits im Training immer da sind. Gleichzeitig schauen wir uns natürlich den Kader an und prüfen, ob wir uns offensiv noch gezielt verstärken können. Wichtig ist aber auch, dass sich unsere bestehenden Spielerinnen weiterentwickeln und mehr Verantwortung im Abschluss übernehmen.
Können Sie uns bereits erste Informationen zum ZSC Lions Frauen-Team der nächsten Saison geben? Bleiben die Ausländerinnen? Kommen neue Spielerinnen?
Die Kaderplanung läuft zurzeit auf Hochtouren, aus diesem Grund kann ich noch nichts sagen. Wir werden bald konkret informieren.

















