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Weisch no? Europameister 2009

Weisch no? Europameister 2009

Am 28. Januar 2009 verblüffen die ZSC Lions die internationale Eishockey-Welt. Sie gewinnen die Champions Hockey League. Und das erst noch in der Fremde.

Der ZSC und das Hallenstadion: Das ist nicht immer nur eine Liebesgeschichte gewesen. Weil die Mehrzweck-Arena anderweitig belegt ist, müssen sich die Eishockeyaner auf Asylsuche begeben. Das war schon im Playoff-Halbfinal 1992 so, nun wiederholt sich das Szenario im Winter 2008/09, als sich die Lions in der neu geschaffenen Champions Hockey League präsentieren dürfen. Der tüchtige CEO Peter Zahner findet für den Halbfinal gegen die Espoo Blues und später für das Final-Rückspiel gegen Metallurg Magnitogorsk eine Ausweich-Halle: Die Arena in Rapperswil-Jona, die zwar schmuck ist, aber nur 6200 Besuchern Platz bietet.

 

Für Zahner und seine Löwen sollte sich aber gerade die kleine Halle am Obersee als atmosphärischer Pluspunkt erweisen. Am 28. Januar 2009 findet erneut eine Völkerwanderung aus dem Kanton Zürich in den Kanton St. Gallen statt – das «Lido», wie es die «Hockey-Eingeborenen» aus Rapperswil nennen, ist bis auf den letzten Platz mit ZSC-Anhängern gefüllt. Nach dem überraschenden 2:2 im Hinspiel gegen die Favoriten aus der KHL sind die Erwartungen für einen speziellen Abend gross – und die Fans werden nicht enttäuscht.

 

Der Schweizermeister mit Personalchef Sean Simpson tritt vom ersten Bully so auf wie immer in dieser CHL-Kampagne: furchtlos, tempofest, aber defensiv ungemein konzentriert. Unterstützt von den frenetisch mitgehenden Supportern nehmen die Zürcher immer mehr das Spiel in die Hand – zur Verblüffung des Gegners und der Journalisten, die im Lärm der Halle nicht einmal das eigene Handy hören können. Eigentlich haben sich die Russen vorgenommen, einen Kasatschok auf dem Eis vorzuführen – aber es kommt anders: Die entfesselten Männer von Simpson führen den hoch dekorierten Gegner offensiv vor.

 

Spätestens nach dem Doppelschlag im letzten Drittel durch Mathias Seger zum 3:0 und Jan Alston zum 4:0 ist die Sache gelaufen, das 5:0 von Jean-Guy Trudel kurz vor Schluss lässt einen Jubel aufbrausen, den das Stadion nicht einmal erlebt hat, als Mike Richard und Gilles Thibaudeau in den 90er-Jahren den Anhang des SC Rapperswil-Jona in Entzückung versetzten. Die demoralisierten Russen sind sichtlich beeindruckt: einerseits von der Leistung des ZSC, andererseits vom Hexenkessel im «Lido».

 

Vom Obersee in die Freinacht

 

Nach dem 5:0-Triumph beweist der Captain Grösse: Seger leitet den Pott, der würdiger ist als der Schirmständer, den der Schweizermeister erhält, an Goalie Ari Sulander weiter. Der Finne wird auch zum MVP des Wettbewerbs ernannt. Die Zürcher Fans feiern ihre Lieblinge noch lange im Exil, bis weiter westlich zu Hause eine verdiente Freinacht wartet.

 

Der sensationelle Erfolg der Lions, gewiss auch ein Meilenstein in der Schweizer Sportgeschichte, wird in der nationalen, aber auch internationalen Presse ausführlich kommentiert und gewürdigt. Das dickste Kompliment stammt allerdings tags darauf von einem Arbeitskollegen und eingefleischten Anhänger des SCRJ: «Weisst du, noch nie lag mir der ZSC so am Herzen wie gestern.»

 

 

Telegramm

 

ZSC Lions - Metallurg Magnitogorsk 5:0 (1:0, 1:0, 3:0)

 

Diners Club Arena, Rapperswil-Jona - 6200 Fans

SR: Laaksonen/Levonen, Kekalainen/Terho (alle Fi)

Tore: 18. Down (Pittis) 1:0. 35. Sejna (Wichser, Suchy/Ausschluss Marek) 2:0. 49. Seger (Pittis/Ausschluss Tschistow) 3:0. 50. Alston (Geering) 4:0. 58. Trudel (Pittis, Down) 5:0.

Strafen: Lions 3x2 Minuten, Magnitogorsk 5x2 Minuten

 

Aufstellungen

 

ZSC Lions

Ari Sulander; Daniel Schnyder, Mathias Seger; Severin Blindenbacher, Philippe Schelling; Radoslav Suchy, Patrick Geering; Blaine Down, Domenico Pittis, Jean-Guy Trudel; Ryan Gardner, Adrian Wichser, Peter Sejna; Alexei Krutow, Oliver Kamber, Lukas Grauwiler; Mark Bastl, Jan Alston, Thibaut Monnet.

 

Metallurg Magnitogorsk

Ilja Proskurjakow; Witali Atjuschow, Jewgeni Warlamow; Vladimir Malenkich, Jewgeni Birjukow; Wladislaw Bulin, Rinat Ibragimow; Jaroslav Kudrna, Tomas Rolinek, Jan Marek; Igor Mirnow, Alexei Kaigorodow, Denis Platonow; Stanislaw Christow, Denis Tschistow, Nikolai Sawaruchin; Konstantin Puschkarew, Wadim Jermolajew, Jewgeni Fedorow.

 

Bemerkungen

ZSC ohne Claudio Cadonau (überzählig), Cyrill Bühler, Kevin Gloor (beide nicht eingesetzt). Magnitogorsk ohne Alexander Selujanow (verletzt). 15. Pfostenschuss von Wichser.

 

 

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