Kimo Gruber ist erst vier Jahre alt, als Denis Hollenstein 2009 bereits seine ersten Spuren in der damaligen «National Liga A» hinterlässt. Als späterer Kloten-Junior gab es für Kimo vor allem einen persönlichen Helden auf Schweizer Eis: Denis, genannt «Holle», Hollenstein. Das höchste der Gefühle damals? Als PostFinance Topskorer-Bub mit seinem Idol und der ganzen Equipe auf dem Eis stehen. Die Steigerung und damit ein schier unmöglicher Bubentraum: Als Spieler zusammen mit «Holle» auflaufen. Dafür nehmen die beiden einen Umweg von der Flughafenstadt Kloten in die Limmatstadt Zürich. Dort, im Löwenkäfig der ZSC Lions, teilen sie sich in der Saison 2025/26 plötzlich die Kabine und stehen am 23. September 2025 erstmals gemeinsam auf dem Eis. Der Anlass? Auswärtsspiel in der BCF Arena gegen Fribourg-Gottéron. Die Rollen könnten unterschiedlicher nicht sein: Hollenstein als Routinier im Spätherbst seiner Karriere und Kimo Gruber als Sturmhoffnung der Zukunft. Geschichten, die nur der Sport schreibt.
Tore à la Hollenstein
Welche Eigenschaft würde Kimo Gruber am liebsten von Denis Hollenstein übernehmen? «Natürlich die Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor. Am allerliebsten aber seine berühmten Five-Hole-Tore», meint er schmunzelnd und mit funkelnden Augen in Richtung Routinier. «Mit solch einem Five-Hole-Tor hat meine Karriere ihren Lauf genommen», ergänzt Hollenstein. Sein erstes Profi-Tor erzielte er exakt auf diese Art und Weise: flach zwischen den Beinen des Torhüters hindurch, damals mit Kloten gegen Ambri-Piotta. Danach wurde dieser Move zu einer Art Markenzeichen von Hollenstein. Aus Five-Hole wurde «Five-Holle». Im Gegenzug würde Denis Hollenstein gerne über den Antritt von Kimo Gruber verfügen. «Solch ein Antritt ist immer von Vorteil und das meine ich heute nicht nur altersbedingt». Tore von Hollenstein haben den 21-jährigen Gruber schon in seiner Kindheit begleitet und geprägt. Beide Protagonisten kommen aus dem Zürcher Unterland und lernten dort das Hockey-ABC. Kimo Gruber: «Früher habe ich als Junior oft mit meinem Vater die Spiele live verfolgt. Denis war einer meiner absoluten Lieblingsspieler und ich wollte immer schon einen Stock von ihm haben. Dass wir Jahre später zusammen die Kabine teilten, fühlt sich noch heute manchmal surreal an», so die Nummer 73 der ZSC Lions. Dieses Interview nutzt er gleich, um ein Selfie mit Hollenstein zu schiessen. Stolz sagt Gruber: «Dieses Foto muss ich unbedingt meinem Vater schicken.»
Mentor und Vorbild
Kimo Gruber lobt den hochdekorierten Stürmer Hollenstein für seine Mentalität, Menschlichkeit und den Charakter. «Denis war einer, der mich sofort unter seine Fittiche nahm und mir wichtige Tipps gab. Mir war immer wichtig, dass ich mit Leistung und Fleiss auffalle – nur so verdient man sich den Respekt im Team», so der Youngster. Hollenstein ist die Arbeitsethik des jungen Zürcher Unterländers sofort aufgefallen: «Leider war die Saison 2024/25 für mich eine Seuchensaison. Ausser einem CHL-Auswärtsspiel in Berlin konnte ich nicht mittun, also nahm ich mir vor, meine Erfahrung an die jungen Spieler weiterzugeben und habe viele Videos und Spielszenen mit ihnen angeschaut.» Kimo Gruber kam wie einst Hollenstein selbst vom Kantonsrivalen aus Kloten nach Zürich-Altstetten. «Ich wusste natürlich, was das bedeutet. Als externer Spieler zählt nur die Leistung, du musst dich gefühlt immer ein wenig mehr beweisen. Erst recht, wenn du aus Kloten kommst», erklärt Hollenstein. Doch «Holle» ist überzeugt, dass Gruber das Zeugs dazu hat, die Offensive der Lions zu prägen. «Er darf sich nur nicht verkrampfen, wenn es mal nicht läuft. Auf ihn wartet nun die Saison der Bestätigung. Kimo soll vor allem die Dinge tun, die ihn schon heute in jungen Jahren auszeichnen.» Als Stürmer müsse man das Frustrationslevel so tief wie möglich halten, denn Hochs und Tiefs gehören bekanntlich zum Stürmerjob dazu.
Zukunftsorientiert
Kimo Gruber möchte sich in der kommenden Spielzeit im Team etablieren. Persönliche Ziele? Konstanz auf dem Eis. «Vinzenz Rohrer ist ein gutes Beispiel dafür. Bei ihm weisst du, was du hast, und bekommst sogar regelmässig einen Bonus obendrauf in Form von Toren oder entscheidenden Spielszenen», lobt Gruber seinen ehemaligen Teamkollegen. Auch die für einmal längere Sommervorbereitung komme ihm zugute. Die Basis stimme auf jeden Fall, dessen ist sich auch Hollenstein sicher. «Trainings sind wichtig und man muss jeden Tag immer alles geben, wenn man besser werden will. Ansonsten kannst du dein Level nicht halten. Aber Kimo wird angreifen, das sehe ich in seinen Augen.»
Danach wird es für einen Moment still und Gruber schaut sich im Raum um. Wir befinden uns bei Denis Hollenstein daheim, genauer gesagt im «Hockey Room». Der Youngster bestaunt Auszeichnungen und Medaillen, legendäre Jerseys und unzählige Stöcke von ehemaligen Weggefährten Hollensteins, aber auch solche von NHL-Legenden. «Da wird einem sofort klar, dass ich mir als ZSC-Spieler im jungen Alter keinen Ruhetag erlauben kann, wenn ich nur annähernd eine solche Karriere hinlegen will.»
Emotional wird Denis Hollenstein beim Gedanken an den Meistertitel 2024, seinem ersten in einer sonst so schrillen Hockeykarriere. «Die ersten sechs Jahre beim ZSC sind wir trotz viel Potenzial oft auf die Schnauze gefallen. Den Pokal 2024 in die Höhe zu stemmen, war für die Organisation und mich persönlich unglaublich wichtig und schön. Dass Patrick Geering mir dann ausgerechnet die Ehre gab, den Pokal als erstes hochzustemmen, werde ich ihm nie vergessen. Das war für mich sehr emotional und unterstreicht gleichzeitig den Menschen Geering.» Kimo Gruber verfolgte damals den Final von zu Hause aus am Fernseher. Monate später durfte er dann selbst ins ZSC-Dress schlüpfen.
Ein letzter Blick zurück
Kimo Gruber erhielt seinen Vornamen nach einem ehemaligen Mitspieler von Hollenstein: Kimmo Rintanen. Etwas verlegen gibt Kimo zu: «Mein Vater träumte früher davon, dass ich eines Tages in der National League spiele – damals war noch die Rede vom EHC Kloten. Vor meinem ersten Derby im ZSC-Dress machte mir Hollenstein persönlich Mut und meinte, ich solle es einfach geniessen. Das erste Derby bleibt speziell in Erinnerung.» Übrigens bewies Gruber ausgerechnet im Derby Ende Januar 2026 seine Stürmerqualitäten und traf in Kloten damals zum zwischenzeitlichen 2:0 für den Zett. Der Junge kann also schon jetzt Derby! Ein solches wird Hollenstein wohl nicht mehr erleben, aber den legendären Satz «ich habe fertig» gilt für den Routinier noch nicht. «Ich will gerne noch ein Jahr spielen und warte ab, was kommt», sagt der 36-Jährige. Wir fragen zum Abschluss nach, wie es denn nun um den heiss begehrten Hockeystock von Hollenstein steht. «Nach dem letzten Spiel hat mir Denis seinen Stock geschenkt. Lieber spät als nie. Darauf wartete ich schon, seit ich ein kleiner Bub war…», sagt Gruber, ehe er von Denis Hollenstein lachend in den Arm genommen wird.

























