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Norina oder das Goalie-Juwel vom Zürichsee

Norina oder das Goalie-Juwel vom Zürichsee

Norina Schrupkowski steht mutig im Tor bei den Burschen. Nun wird der talentierte Teenager ins Kader der Lions Frauen berufen. Experten sagen ihr eine grosse Zukunft voraus.

Norina Schrupkowski? Eishockey-Fans tun gut daran, sich diesen Namen zu merken. Denn unabhängig davon, wie weit sie es sportlich noch schaffen wird: Norina Schrupkowski ist eine junge Frau, die bereits auf einen bemerkenswerten Werdegang zurückblicken kann. Im Herbst wird die Torhüterin 17, sie spielt bei den Jungs und hinterlässt, so die Trainer, einen souveränen Eindruck auf dem Eis. Bei der letzten U18-WM der Frauen im kanadischen Sydney (Nova Scotia) wurde sie zum besten Goalie des Turniers erkoren und ins All-Star-Team gewählt. Keine hielt so viele Pucks wie die mutige Schweizerin. Schon zuvor war bei den Jugendspielen in Georgien und Südkorea auf die Zürcherin Verlass gewesen.

 

Doch der Reihe nach: Schrupkowski wuchs als Kind eines deutschen Vaters und einer Schweizer Mutter in Erlenbach auf, mit sechs Jahren schaute sie ihrem jüngeren Bruder Jaron auf der Kunsteisbahn Küsnacht zu und dachte sich: «Was der kann, kann ich auch.» Fortan liebte Norina das Eishockey und versuchte sich zuerst als Feldspielerin. Doch sie war fasziniert von der Goalie-Position, und nach einigen Hürden durfte sie als Torhüterin ran. Ihre Hartnäckigkeit zahlte sich also schon früh aus. So kam sie bei den Buben zum Einsatz und behauptete sich dort bravourös. Als 13-Jährige debütierte sie zudem bei den GCK-Frauen in der zweitobersten Spielklasse und wurde gleich als beste Spielerin geehrt. Nun wird sie auf die neue Saison hin ins Kader der Löwinnen in der PostFinance Women’s League aufgenommen. Im Sommer hat sie mit der U18-Elit der Burschen trainiert.

 

Als einziges Mädchen unter Jungs

 

Dass Norina vor allem mit den Jungs Eishockey gespielt hat und vermutlich eine Zeit lang auch noch spielen wird, stört sie überhaupt nicht. «Ich bin eigentlich immer respektiert worden. Ich habe versucht, ein gutes Verhältnis mit ihnen aufzubauen. Allerdings muss man als Mädchen schon die doppelte Leistung bringen, um Anerkennung zu finden», schmunzelt die 175 Zentimeter grosse Löwin, die keine Angst vor scharfen Schüssen hat und über wache Reflexe verfügt. Und sie nennt ihre Beweglichkeit als Stärke.

 

Thomas Scheidegger, der neue Ausbildungschef der Junglöwen, spart nicht mit Lob für Schrupkowski. «Norina macht einen sehr guten Job. Dass sie an der U18-WM überragend spielte, freut mich sehr. Was mir an ihr besonders gefällt, ist, wie gut sie sich in den Junioren-Teams integriert hat, als einziges Mädchen. Sie fühlt sich offenbar wohl, auch mit älteren Jungs. Das ist nicht selbstverständlich. Eigentlich spielt sie frisch von der Leber weg. Und sie hat Fortschritte gemacht, sowohl in mentaler Hinsicht als auch beim Skating.»

 

Wer mit der jungen Torhüterin spricht, ist beeindruckt von ihrer Reife und Intelligenz. Das bestätigt auch Scheidegger. «Norina erinnert mich etwas an die Stürmerin Alessia Baechler, die sich ebenfalls nahtlos bei den Jungs eingefügt und mit ihrer Art viel Respekt gewonnen hat. Jedenfalls ist Norina auf gutem Weg, was ihre Zukunft betrifft.»

 

 

Ehrgeizig und voller Ziele

 

In der Eishockey-Branche gilt Schrupkowski zweifellos als grosses Talent, es wird vermutet, dass sie mal so gut wird wie die ehemalige Weltklasse-Torhüterin Florence Schelling. Schelling gehört zu den Vorbildern von Schrupkowski, ebenso Alina Müller, die in der nordamerikanischen Frauen-Profiliga PWHL stürmt. «In Übersee zu spielen, ist ein Ziel, das ich mir ganz klar gesetzt habe. Schliesslich bin ich sehr ehrgeizig», sagt die Erlenbacherin. Aber sie weiss, dass Talent allein für eine Sportkarriere nicht ausreicht. Zudem muss sie sich mit der aktuellen Situation auseinandersetzen: Bei den Lions Frauen stehen drei motivierte Goalies im Kader, und sie will bei der nächsten U18-WM in Tschechien wieder das Schweizer Tor hüten. Schliesslich soll auch die Matura des Kunst- und Sportgymnasiums in Zürich mit Erfolg abgeschlossen werden. Dazu benötigt sie noch drei Jahre. Es kommt also einiges auf sie zu.

 

Wer so viel Eishockey spielt und trainiert, hat wenig Freizeit. Diese verbringt sie gerne mit ihren Freundinnen, im Sommer darf es auch mal Kitesurfen sein, gelegentlich auch mal eine Runde Golf. Oder sie macht Spaziergänge mit Hund Scottie und geniesst die Natur am Ufer des Zürichsees oder im wilden Erlenbacher Tobel. Denn Goalies brauchen die Ruhe zum Auftanken. Norina hat überdies eine Eigenschaft, die ein Fundament für eine aussergewöhnliche Laufbahn als Torhüterin sein kann: Sie liebt Herausforderungen, den Druck und anspruchsvolle Spiele. Je mehr Schüsse sie parieren muss, desto wohler fühlt sie sich. «Dann wachse ich über mich hinaus, das habe ich gerne.» Egal, ob sie bei den Frauen oder bei den jungen Männern im Tor steht.

Steckbrief

 

Spitzname: Schrupi

Geburtsdatum: 24. Oktober 2009

Alter: 16-jährig

Geburtsort: Zürich

Wohnort: Erlenbach ZH

Grösse: 175 cm

Position: Goalie

Grösste Erfolge: beste Torhüterin und im All-Star-Team U18-WM Frauen 2026, Schweizermeisterin U18-Top GCK Lions 2026, 4. Platz Youth Olympic Games 2024 in Gangwon

Bei den ZSC/GCK Lions seit: 2015/16

Hobbys: Kitesurfen, Spaziergänge, Golfen, Ski

Bildlegenden: Den Namen Norina Schrupkowski sollten sich Eishockeyfans merken! Bei der letzten U18-WM der Frauen im kanadischen Sydney wurde sie beispielsweise zum besten Goalie des Turniers erkoren und ins All-Star-Team gewählt.

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