Robin, Du bist seit einigen Wochen in der Schweiz. Wie hast Du Deine ersten Tage erlebt?
Sehr positiv. Schon am Flughafen wurde ich herzlich empfangen. Die Wohnung war komplett eingerichtet, ich bekam direkt ein Auto und hatte vom ersten Moment an das Gefühl, willkommen zu sein. Das hat den Start enorm erleichtert.
War der Wechsel von Schweden in die Schweiz trotzdem eine grosse Umstellung?
Eigentlich weniger, als viele vielleicht denken. Ich komme aus dem Norden Schwedens, aus einer Region mit viel Natur, Wasser und Bergen. Natürlich sind die Alpen etwas anderes, aber die Landschaft fühlt sich trotzdem vertraut an. Am meisten vermisse ich meine Familie und enge Freunde. Gleichzeitig ist Schweden nur einen kurzen Flug entfernt und dank FaceTime ist man ohnehin ständig in Kontakt.
Viele fragen sich: Weshalb verlässt ein Schwede ein Land, in dem Eishockey fast eine Religion ist?
(lacht) Das ist tatsächlich eine berechtigte Frage. Ich hätte problemlos in Schweden bleiben können. Es gab Möglichkeiten bei Brynäs und auch in meinem Heimatverein. Aber schon vor einigen Jahren entstand bei mir der Wunsch, einmal im Ausland zu arbeiten. Als sich die Chance bei den GCK Lions ergab, hatte ich sofort das Gefühl, dass ich sie später bereuen würde, wenn ich Nein sage. Für einen Schweden ist es etwas Besonderes, in einer starken Hockeynation wie der Schweiz arbeiten zu dürfen.
Ist es also mehr als nur ein neuer Job?
Definitiv. Es ist eine persönliche Herausforderung. Ich möchte mich weiterentwickeln, eine neue Kultur kennenlernen und auch meinen Horizont erweitern. Gleichzeitig hoffe ich, meine Erfahrungen aus Schweden einzubringen und damit der Mannschaft zu helfen.
Du versuchst sogar schon Deutsch zu lernen. Wie läuft das?
Noch ziemlich langsam (lacht). Ich versuche jeden Tag neue Wörter aufzuschnappen und höre bewusst zu, wenn die Spieler Deutsch sprechen. Im Moment läuft die Kommunikation natürlich auf Englisch, aber mein Ziel ist es, Schritt für Schritt immer mehr Deutsch zu sprechen.
Wie hast Du die Lions-Organisation kennengelernt?
Was mich besonders beeindruckt hat, ist das familiäre Umfeld. Jeder hilft jedem. Egal ob im Büro oder in der Garderobe. Ich hatte nie das Gefühl, auf mich allein gestellt zu sein. Wenn ich Fragen zu Versicherungen, Behörden oder anderen organisatorischen Dingen hatte, konnte ich jederzeit jemanden anrufen. Diese Hilfsbereitschaft ist nicht selbstverständlich.
Was macht für Dich einen guten Materialwart aus?
Natürlich gehört das Technische dazu. Schlittschuhe schleifen, Material vorbereiten oder Ausrüstung reparieren sind wichtige Aufgaben. Aber genauso wichtig ist für mich der Servicegedanke. Die Spieler sollen wissen, dass sie jederzeit zu mir kommen können.
Wie äussert sich das konkret?
Ich möchte Probleme lösen, bevor sie überhaupt entstehen. Wenn ein Spieler nach einer Verletzung zusätzlichen Schutz braucht, baue ich diesen selbst. In Schweden habe ich beispielsweise individuelle Rippen- oder Unterarmschützer angefertigt. Jeder Spieler ist anders, deshalb gibt es auch nicht für alle dieselbe Lösung.
Gibt es Dinge, die Du in der Garderobe verändern möchtest?
Ich möchte zunächst verstehen, welche Abläufe hier bisher funktioniert haben. Danach werde ich gemeinsam mit der Mannschaft gewisse Standards definieren. Mir sind Ordnung und Struktur wichtig. Jeder soll wissen, was ich von ihm erwarte, genauso wie ich wissen möchte, was die Spieler von mir erwarten. Kommunikation ist entscheidend.
Du wirkst dabei nicht wie jemand, der einfach Vorschriften macht.
Das entspricht auch nicht meiner Art. Wenn ich etwas verlange, erkläre ich immer den Grund dahinter. Ich höre mir die Meinung der Spieler an und möchte verstehen, wie sie denken. Am Ende treffen wir vielleicht nicht immer dieselbe Entscheidung, aber gegenseitiges Verständnis ist mir wichtig.
Was dürfen die Spieler von Dir erwarten?
Dass ich jeden Tag mit Freude zur Arbeit komme und alles dafür tue, ihnen den Alltag zu erleichtern. Ob es um perfekt geschliffene Schlittschuhe, individuelles Material oder einfach ein offenes Ohr geht. Ich möchte, dass sie wissen: Ich bin für sie da.
Und was wünschst Du Dir im Gegenzug?
Respekt füreinander. Wenn jeder seinen Teil beiträgt, funktioniert das Zusammenspiel. Die Spieler helfen mit Ordnung und Pünktlichkeit, ich sorge dafür, dass sie sich voll auf ihr Hockey konzentrieren können.
Zum Schluss: Hast Du das Gefühl, am richtigen Ort angekommen zu sein?
Ja, absolut. Schon nach kurzer Zeit habe ich gespürt, dass diese Organisation etwas Besonderes ist. Ich sehe hier nicht nur eine spannende Aufgabe, sondern einen Ort, an dem ich langfristig arbeiten und mich weiterentwickeln möchte. Genau dieses Gefühl hatte ich mir erhofft.






















