Wenn die Nummer 8 der ZSC Lions trifft, bebt der Löwenkäfig! Der 1.90 Meter grosse Stürmer steht wie kaum ein anderer für Emotionen und Leidenschaft auf dem Eis. Mit seiner markanten Mähne und seiner präsenten Statur fällt Willy Riedi sofort auf. Trifft er selbst, schreit er sich die Freude aus dem Leib – schiesst ein anderer das Tor, jubelt er oft emotionaler als der Torschütze selbst. Und trifft man den 27-Jährigen neben dem Eis an, strahlt er meist über beide Ohren. Seine positive Körpersprache und seine unermüdliche Arbeitermentalität kommen bei den Fans definitiv gut an. «Sie mögen es, wenn jemand ackert und nicht den Kopf hängen lässt.» Willy Riedi hat nicht die klassische Karriereleiter genommen. Er hat zwar genug Talent, um es auf die grosse Bühne zu schaffen, muss das Ganze aber mit viel Arbeit unterstreichen. «Mein Switch von den GCK Lions zu den ZSC Lions ging fast eineinhalb Jahre. Erst in meiner dritten Saison konnte ich mich im Kader etablieren. Auch Verletzungen haben mir Steine in den Weg gelegt», so Riedi. Seine Familie und Freundin geben ihm immer wieder Halt, er glaubt an sich und erarbeitet sich so seinen heutigen Status. Dass er als «Chrampfer» gilt, goutieren auch die Fans und schliessen ihn je länger, je mehr ins Herz. Während der Niederhasler beim Meistertitel 2024 vor allem mit defensivem Gedankengut in der vierten Linie überzeugen musste, durfte er beim Playoff-Run 2025 auch offensiv mehr Akzente setzen – mit Erfolg. Riedi bewies seinen Torriecher und konnte fortan mehr Treffer denn je bejubeln. Ein Teil dieses Erfolgsrezepts ist altmodisch, aber wirkungsvoll: Detailarbeit. Abseits der Eisflächen feilt er in seiner Garage an Schuss und Stickhandling – eine Leidenschaft, die ihn schon seit Jugendtagen begleitet.
Einstecken und Austeilen
«Jeder Schuss geht einfach rein» – bei diesem Spruch muss Willy Riedi selbst schmunzeln. Er weiss, dass ihn seine Kollegen gerne auf die Schippe nehmen – wegen seines wiedergefundenen Torriechers. In der Saison 2022/23 war er zwischenzeitlich Topskorer in der Qualifikation, erzielte zehn Tore und legte acht Treffer auf. Diese bisherige Bestmarke hat er in der laufenden Saison bereits vor der Olympiapause geknackt. «Mit den Sprüchen meiner Kollegen kann ich gut leben. Ich teile ja selbst gerne aus und bringe ebenfalls dumme Sprüche», sagt er lachend – flankiert von den zustimmenden Blicken seiner Teamkameraden Sigrist, Baechler und Bader. Früher sei das aber nicht so gewesen. «Neben Bodenmann, Schäppi und Wick war ich anfangs zurückhaltender und noch etwas schüchtern.» Nun aber spielt Riedi schon seine fünfte Saison als Profi und getraut sich mehr. Persönliche Beziehungen und Erinnerungen schweissen ein Team eben zusammen. Riedi betont, dass er besonders in den letzten Playoffs viel Selbstvertrauen getankt habe. «Ich habe die Chance bekommen, eine offensivere Rolle einzunehmen. Mein Effort zuvor hat sich gerechterweise ausbezahlt.» Als sein grösstes Talent streicht er seine Hartnäckigkeit heraus. «Ich habe gelernt, Dreck zu fressen und dranzubleiben, um Fortschritte zu machen.» Auf diese Tugend ist der Flügel auch im allgemeinen Leben besonders stolz.
Das etwas andere Hobby
Mit Arbeit ist auch Riedis spezielles Hobby verbunden: Imkern. Freund Philipp, selbst Imker, hat den ZSC-Crack in die Welt der Bienen eingeweiht. Riedi ist ehrlich: Der Prozess zur Honiggewinnung sei mehr ein Muss als ein Vergnügen. «Aber es lohnt sich, um am Ende ein Top-Produkt geniessen zu können, bei dem ich den Herstellungsprozess kenne und meine eigene Fussnote hinterlassen kann.» Der Stürmer zieht daraus Parallelen für seinen Hockey-Alltag. «Das Gleiche gilt auch für meine Leistungen auf dem Eis. Ich bin mir nicht zu schade, alles zu investieren, damit am Ende der Teamerfolg stimmt.» Im Winter steht einiges an Arbeit an. Während die Bienen im Bienenstock überwintern, bereiten Willy und Philipp gemeinsam die Rahmen mit den Zwischenwänden vor. Sobald die warmen Tage einkehren, geht es für die Bienen an die Arbeit. Danach können die Imker zweimal im Jahr Honig aus deren Produktion gewinnen. Riedi erklärt seine Faszination für Honig so: «Er hat sehr gesunde Eigenschaften. Vor den Spielen gibt mir der Honig dank seines Zuckergehalts einen guten Energiewert. Zusätzlich hat er antivirale und entzündungshemmende Eigenschaften. Für mich passt der Honig manchmal besser als ein künstliches Präparat.»
Honig als Torgarant?
Die Mannschaft der ZSC Lions ist ebenfalls vom Honig-Boom angetan. Riedis Mitspieler profitieren vom ungewöhnlichen Hobby ihres Teamkollegen und wollen ihm regelmässig ein Glas Honig entlocken. «Darum bleibt am Ende weniger für mich übrig», sagt er lachend und stolz. Der 27-Jährige gibt zu: «Am süssesten schmeckt ein Sieg mit einer kleinen Note Willy Riedi, sprich mit einem persönlichen Tor. Und genau so ist es auch mit meinem Honig.» Die ZSC-Arbeitsbiene Willy Riedi, nicht zu verwechseln mit Biene Majas bestem Freund «Willi», hat ihr Geheimrezept für Tore gefunden: Fleiss, Geduld – und ein Löffel Honig.























