Die Saison 2015/16 geht zwar nicht als Meisterjahr in die Annalen der ZSC Lions ein. Aber sie war dennoch speziell: Mit der Ankunft von Auston Matthews im Spätsommer 2015 sorgte ein Teenager noch vor dem ersten Meisterschaftsbully für einen grossen Hype im Schweizer Eishockey – und den Zürchern gelang ein veritabler Transfercoup. Der damals 17-jährige US-mexikanische Doppelbürger galt nicht nur in Übersee als ein Top-Talent, für viele Experten stand er schon früh als zukünftige Nummer 1 im NHL-Draft fest, zumal er schon als Junior mit 188 Zentimeter Grösse und 88 Kilogramm Gewicht Gardemasse für einen Eishockey-Profi besass.
Ein Geduldsspiel
Der damalige ZSC-Sportchef Edgar Salis erinnert sich: «Wir haben ihn an der U20-WM in Kanada gesehen, aber auch später an der U18-WM in der Schweiz beobachtet, wo er mit den USA Weltmeister wurde und überragend spielte. Via seinem Agenten sind die Kontakte entstanden, in Zug sassen wir auch mit seinen Eltern zusammen und anschliessend hat der Transfer Hand und Fuss bekommen.» Natürlich half es, dass mit Marc Crawford ein bekanntes NHL-Gesicht die Lions coachte. Allerdings standen einige Hürden für den Wechsel im Weg, auch das Schweizer Migrationsamt dribbelte beim Transfer mit. Die Aufenthaltsbewilligung für den «Wunderknaben» aus den USA traf nach langer Wartezeit mit der Auflage ein, dass er erst mit 18 Jahren in der National League eingesetzt werden durfte. Das war am 18. September 2015, einen Tag nach seinem 18. Geburtstag, beim Spiel gegen Fribourg-Gottéron der Fall. Die ersten vier NL-Partien und die Vorrunde in der Champions Hockey League verpasste demnach Matthews, für den eine weitere Saison in einer nordamerikanischen Juniorenliga sportlich keinen Sinn mehr gemacht hätte und der einige Tage zu jung für den NHL-Draft war.
Er kam, sah und traf
Das auch in den Medien viel beachtete Debüt von Matthews im Hallenstadion verfolgten auch seine Eltern mit. Was sie sahen, machte sie durchaus stolz: Ihr Sohn kam, sah und traf im Powerplay zum 3:2. Am Ende verloren zwar die Lions die Partie im Shootout. indem der Center mit seinem Versuch scheiterte, aber alle sahen, was für ein Potential der Jungprofi mit der Rückennummer 34 besass. «Dieser Junge ist einfach komplett», schwärmte der damalige ZSC-Captain Mathias Seger. Gut zehn Jahre später erklärt Salis: «Für mich war er ein Teenager, der sehr gut Eishockey spielen konnte. Man erkannte schnell, dass er ein aussergewöhnliches Talent war. Seine Eltern erzogen ihn gut, er fügte sich schnell ins Team ein.» Matthews war zudem auch für den Löwen-Nachwuchs ein Vorbild.
«Fast zu gut, um 18 zu sein»
Am Ende erzielte der komplette und tempostarke Center in 40 Ligaspielen 24 Goals und 25 Assists, damit gehörte er zu den besten Punktesammlern beim Qualisieger aus Oerlikon. Die Fachjournalisten würdigten die Auftritte des Teenagers. «Auston Matthews erfüllt, was sich die ZSC Lions versprachen: Der Amerikaner ist die Attraktion der Liga. Denn: Er kam und brillierte. Der 18-Jährige ist einzigartig – auch im menschlichen Bereich», hielt die «Aargauer Zeitung» fest. Unter dem Titel «Fast zu gut, um 18 zu sein», schrieb der «Tages-Anzeiger»: «Matthews wird von Spiel zu Spiel besser. Dank ihm schiessen die ZSC Lions die meisten Tore und setzen haufenweise T-Shirts ab.» Trainer Marc Crawford zog im gleichen Artikel Vergleiche mit Weltstars: «Ich hatte Jamie Benn, Anze Kopitar und die Sedin-Zwillinge mit 19, Peter Forsberg mit 21. Sie alle waren speziell, aber sie waren älter als Auston. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie mit 18 besser waren als er.» Der «Blick» hob Matthews' enorme Professionalität hervor und analysierte dessen Spielintelligenz mit den Worten: «Der US-Teenager ist im Gegensatz zu Schweizer Spielern immer dort, wo die Scheibe hinkommt, er scheut den Slot nicht.» Der berühmteste «Eismeister» des Landes kommentierte auf watson: «Trotz seines jungen Alters übernimmt er eine zentrale Rolle und etabliert sich sofort als Phänomen im Schweizer Eishockey.» Der Berner Journalist sah ihn überdies als «Amerikas Gretzky, einen intelligenten Spielgestalter und den wichtigsten Spieler, der den ZSC-Maschinenraum als Turbolader verstärkte.»
Das frühe Aus in den Playoffs
Allerdings endete das Abenteuer des jungen Ausländers nach dem Cuptitel in den Playoffs abrupt: Die favorisierten ZSC Lions blieben im Viertelfinal am damaligen Qualifikationsachten und späteren Champion SC Bern mit 0:4 in der Serie hängen, wobei drei der vier Duelle äusserst knapp endeten. Crawford forcierte Matthews zu stark, was das Gefüge des Teams durcheinanderwirbelte. Das brachte dem Löwen-Dompteur viel Kritik ein.
Was nach seiner Zeit beim ZSC folgte, ist der Aufstieg zum NHL-Superstar mit Millionen-Gage. Seine Statistiken sprechen für sich, seit August 2024 ist der Nummer-1-Draft von 2016 Captain der Toronto Maple Leafs. Und der Olympiasieger von 2026 in Milano hätte wohl liebend gerne das Dress des US-WM-Teams in Zürich getragen. Aber nach einem Foul von Radko Gudas verletzte sich der Toronto-Stürmer so schwer, dass er die Saison wegen einer Operation (Innenbandriss) Mitte März abbrechen musste. Was ihm in seinem Palmares noch fehlt, ist der Titel im Stanley Cup – und in der National League. Gerne würde man die Nummer 34 wieder einmal auf Schweizer Eis begrüssen. Aber natürlich nur als Angestellter in Altstetten…



















