Herzlich Willkommen in Zürich! Wir beginnen mit einer einfachen Frage – wer ist Claude Julien?
Danke! Ich stamme aus sehr einfachen Verhältnissen. Meine Eltern arbeiteten immer hart zum Wohle der Familie. Dadurch habe ich schon früh in meinem Leben eine starke Arbeitsmoral entwickelt. Ich schätze mich heute sehr glücklich, dass ich schon so lange einer Arbeit nachgehen darf, die ich extrem liebe.
Wie spiegelt sich das in Deiner Arbeit als Trainer wider?
Die Arbeitseinstellung steht für mich an erster Stelle. Ich habe mein ganzes Leben hart gearbeitet, um das zu erreichen, was ich wollte. Dabei bin ich stets bescheiden geblieben. Mein Motto lautet: «Behandle andere Menschen so, wie du selbst behandelt werden möchtest.» Gute Vorbereitung ist für mich ein Grundpfeiler. Mein Wille, hart zu arbeiten und gleichzeitig gute Beziehungen zu meinen Mitmenschen zu pflegen, hat mich im Leben weit gebracht. Ich möchte mir den Respekt stets verdienen und ihn nicht einfach einfordern. So auch hier in Zürich bei den ZSC Lions.
Du hast in der NHL an sehr anspruchsvollen Orten wie Montréal und Boston gearbeitet…
Ich verstehe das Business, ich verstehe die Leute von dort. Man hat in Zürich aber nicht tiefere Erwartungen an mich als damals in Montréal oder Boston. Ich erwarte jedoch auch sehr viel von mir selbst. Diese Tugend möchte ich vorleben.
Du bist jetzt seit kurzer Zeit in Zürich. Was waren Deine ersten Eindrücke von den ZSC Lions und der Swiss Life Arena?
Ich war beeindruckt von dem Umfeld und der wunderschönen neuen Arena. Zu hören, dass an Spieltagen alles ausverkauft ist, zeigt, dass es eine starke Fanbasis gibt. Jetzt ist es an uns, unseren Teil zu leisten. Die Fans verdienen es!
Was weisst Du über die Schweiz, insbesondere über Zürich?
Ich habe eine Zeit lang als Trainerberater beim HC Ambrì-Piotta gearbeitet. Die Landschaft mit ihrem Panorama und den Bergen ist wunderschön. Die Architektur in Zürich hat mich persönlich sehr beeindruckt. Sie unterscheidet sich stark von Kanada und meiner Heimat – doch es gefällt mir gut.
Bitte beschreibe Dich als Trainer in drei Worten.
Engagiert, fleissig und gut vorbereitet.
Warum gerade diese drei?
Ich denke, das sind die Zutaten, die man braucht, um erfolgreich zu sein.
Du hast René Matte als Assistenztrainer mitgebracht. Wieso?
Ich habe René kennengelernt, als wir beide Nachwuchstrainer in Kanada waren. 2022 trafen wir uns bei der Weltmeisterschaft in Finnland wieder. Er fragte mich, ob ich ihm in Ambrì helfen könnte. Und so haben wir wieder zueinandergefunden. In der gemeinsamen Zeit mit ihm habe ich gemerkt, wie gut er als Trainer ist und wie hervorragend er arbeitet. Das war mir wichtig. Mit René konnte ich jemanden mit ins Boot holen, der die National League und das Schweizer Eishockey bereits bestens kennt.
Wie ist Dein Eindruck von der Mannschaft und den einzelnen Spielern?
Was ich bisher gesehen habe, gefällt mir sehr. Die Mannschaft war zum Preseason-Start bereits sehr fokussiert. Bei den Fitnesstests und im Training hat sie einen sehr guten Eindruck gemacht. Ich hoffe, ich kann eine Atmosphäre schaffen, in der wir seriös sind, wenn wir müssen, aber auch Spass haben, wenn wir können. Ich möchte, dass die Spieler gerne in die Arena kommen und nicht das Gefühl haben, hierher kommen zu müssen.
Was verlangst Du von Deinen Spielern?
Man muss zuerst hohe Ansprüche an sich selbst stellen – und das tue ich. Ich stehe früh auf. Ich erledige meine Aufgaben gerne, bevor die meisten anderen aufstehen. Wenn man Respekt möchte, muss man ihn sich verdienen. Wenn ich den Spielern zeige, dass ich sie respektiere und gut vorbereitet bin, hoffe ich, dass sie genauso hart arbeiten werden. Wenn sie mit vollem Einsatz zur Sache gehen, dann werden wir alle noch ganz viel Freude haben miteinander. Das Team, der Staff und nicht zuletzt die Fans im Stadion.
Welche Art von Eishockey dürfen wir von der Mannschaft erwarten?
Wenn man erfolgreich sein will, muss man in allen Bereichen gut sein. Je besser wir defensiv organisiert sind, desto mehr Möglichkeiten werden wir haben, uns offensiv zu entfalten. Wir wollen so dominant wie möglich auftreten.
Das Zürcher Publikum mag es, unterhalten zu werden. Wie sieht es bei Dir aus? Bevorzugst Du lieber einen lockeren 5:0-Sieg oder einen hart erkämpften 1:0-Erfolg?
Gute Frage! Am Ende musst du einfach einen Weg finden, die Spiele zu gewinnen. Es werden viele Teams kommen, die sehr gut sind. Darum erwarte ich grundsätzlich enge Spiele. Aber wir werden unser Bestes geben, um den Fans auch hohe Siege schenken zu können.
Wie sieht ein Spieltag bei Dir aus?
Ich liebe es, wenn man schon beim Aufstehen an das Spiel denkt – die mentale Vorbereitung ist immens wichtig. Das wünsche ich mir ebenso vom gesamten Trainerteam. Mein ganzer Fokus liegt auf der Vorbereitung der Mannschaft für das Spiel am Abend. Nach dem Mittag erhole ich mich ein wenig, damit ich am Abend voller Energie gemeinsam mit dem Team bereit bin.
Was begeistert Dich in einem Spiel?
Ich mag es, wenn eine Mannschaft im Einklang spielt. Wenn sie gut vorbereitet ist und den Spielplan konsequent umsetzt. Das führt am Ende oftmals zum Sieg. Eishockeyspieler sind Menschen wie alle anderen auch. Sie gehen zur Arbeit und haben gute, aber auch schlechte Tage. Schlussendlich liegt die Kunst darin, auch an solchen Tagen einen Weg zu finden, um erfolgreich zu sein.
Hast Du ein verborgenes Talent?
Als ich jünger war – in meinen Zwanzigern und Anfang dreissig – war ich ein guter Barfuss-Wasserskifahrer. Ich bin heute ein durchschnittlicher Golfer, dafür mit grosser Leidenschaft.
Worüber sprechen wir gemeinsam nach der Saison 2026/27?
Hoffentlich können wir dann über den Titel sprechen. Ich bin nicht hierhergekommen, um nur zu coachen. Ich bin hierhergekommen, um zu gewinnen.






















