Hintergrund

Jacques Cloutier

Jacques, wo hast Du Deine Jugend verbracht?

Meine Jugendjahre habe ich in Québec verbracht.

Welche Ausbildung, welchen Beruf hast Du gewählt, ehe Du vollamtlicher Trainer wurdest?

Ich war Schüler in einer High School, gebe aber zu, dass bei mir die Schule erst in zweiter Linie kam. Meine Leidenschaft war Eishockey. Ich wollte Berufsspieler werden.

Hast Du als Kanadier auch einmal ans Curlingspielen gedacht?

Nein, Curling passte mir nicht. Es war und ist mir zu langsam. Im Sommer spielte ich Baseball.

Man weiss, dass Du Trainer in Kanada gewesen bist. Aber vom Spieler Jacques Cloutier weiss man hierzulande nichts...

Ich war Torhüter und während 14 Jahren Profi, davon 12 in der NHL.

Wie bist Du Trainer geworden?

Ganz einfach. Als ich meine Spielerkarriere beendete, wurde ich angefragt, ob ich ins Trainergeschäft einsteigen wolle. Ich habe zugesagt und führte dann zusammen mit Bob Hartley die Cornwall Aces, das Farmteam der Nordiques in der AHL.

Wie lange hast Du dann bei Colorado Avalanche gearbeitet?

Ich war dort 14 Jahre lang tätig. Wir gewannen zweimal den Stanley-Cup. 1996 war Marc Crawford Headcoach, 2001 Bob Hartley.

Sieht man hierzulande ein kanadisches Team an der Arbeit, stehen drei oder mehr Personen in Anzügen hinter der Spielerbank. Wie viele Assistenten hat ein Headcoach in Kanada zur Verfügung?

Im Allgemeinen sind es deren zwei. Dazu kommt ein Videospezialist und eine ganze Reihe von Statistikern, unter Umständen sind es deren zehn Leute.

Dient eine gewisse Philosophie dem Training in Kanada als Grundlage?

Will man von einer Philosophie sprechen, so ist es eine der wichtigsten Aufgaben der Trainer, die Freude an der Arbeit aufrecht zu erhalten. Ist diese Freude, diese Motivation da, so stellen sich Durchhaltewillen und Leistungsbereitschaft automatisch ein. Dies gilt für die Jüngsten, aber auch bei den Cracks der NHL. Ein Spieler wie Joe Sakic hat sich jeden Tag in irgend einer Weise verbessern wollen, und dies während seiner ganzen Karriere.

Du hast ein NHL-Team trainiert und bist jetzt mit Bob an der Spitze eines Nationalliga-Teams in der Schweiz, bei welchem technische Mängel immer wieder sichtbar werden. Gibt es in Eurer Arbeit hier grundlegende Unterschiede, verglichen mit der Arbeit in der NHL?

Die Grundprinzipien, die ich vorher erwähnt habe, sind letztlich die gleichen. Die NL A in der Schweiz ist eine gute Liga, ich möchte dies betonen. Hier sind wir einfach etwas mehr Eishockey-Lehrer. In der Schweiz trägt man nur 50 Qualifikationsspiele aus, dann kommen die Play-offs. In der NHL sind es deren 82. Wegen der Grösse des Kontinents verbringt man viel Zeit im Flugzeug. Hier können wir viel mehr mit den Spielern arbeiten, einerseits auf dem Eis und andererseits mit dem Video. So lassen sich viel besser Fortschritte erzielen.

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