Metallurg Magnitogorsk - ZSC Lions 2:2 (0:2/0:0/2:0)
Ein goldener Punkt für die ZSC Lions in Russland! In Magnitogorsk avanciert die Zahl 43 zur zentralen Rolle. Zuerst rutscht Zürichs Nummer 43, Jan Alston, die Entscheidung bei einem Penalty förmlich vom Stock, ehe Metallurg 43 Sekunden vor Ende das 2:2 erzielt und so drei ZSC-Punkte abwendet. Für den Zett trotzdem ein Resultat wie ein Sieg.
Die ZSC Lions erwischten in Magnitogorsk einen sehr guten Start ins Spiel. Angriffe kamen ausschliesslich von Zürcher Seite aus, Metallurg schien teilweise überfordert. Unter grossen ZSC-Torchancen war auch jene von Gardner, welcher nach einem Querpass von Wichser in einer 2:1 Situation aber an Goalie Proskuryakov scheiterte. Trudel hatte da nach 10 Minuten mehr Glück. Aus seitlicher und eigentlich ungünstiger Position gelang ihm nämlich die Führung für den Zett. Die Scheibe, welche wahrscheinlich von einem eigenen Verteidiger noch abgelenkt wurde, rutschte dem russischen Goalie durch die Beine über die Torlinie. Das 0:1 beflügelte die Lions, sie spielten weiter druckvoll und betrieben ein erfolgreiches Vorchecking. Und nach 13 Minuten wurden sie ein weiteres Mal belohnt. Adi Wichser schloss eine Traumkombination mit Sejna und Gardner zum 0:2 ab. Wie im Training passten sich diese drei zu diesem zweiten Treffer, und Wichser hatte am Ende gar das leere Tor vor sich. Grund genug für das Erwachen Metallurgs. Die letzten fünf Minuten des Drittels gehörten auf jeden Fall ihnen, Chancen besass das Heimteam aber fast keine. Ari Sulander brauchte (noch) kaum einzugreifen.
Mehr Arbeit stand für den Finnen im Mitteldrittel an. Dies auch, weil der Zett auf eine defensive Denkweise umstellte und offensiv etwas abbaute. Durchaus erfolgreich aber, blieb Metallurg immer wieder an einem Bein, Schlittschuh oder Stock eines Zürcher hängen. Und wenn hundertprozentige Chancen wie bei Malenkikh (32’) oder zwei Mal Christov (35’ + 36’) zu stande kamen, war Ari Sulander zur Stelle. Auch bei Weitschüssen von der blauen Linie parierte der Finne gewohnt ruhig und erfolgreich. Dass die russische Stimmung so etwas angespannt war, zeigte sich in den Scharmützeln, welche sie gegen ZSC Spieler starteten. Dies setzte auch prompt Strafen gegen Rolinek und Suchy sowie später Bastl und Bulin (gar 2+2) ab, zu übertrieben die Härte. Bei der angesprochenen Strafe gegen Suchy sass Alston bereits in der Kühlbox. In dieser Unterzahl gab es aber nur für Magnitogorsk eine heikle Situation zu überstehen. Trudel entwischte nämlich nach einem Scheibenverlust des russischen Special Team. Die 19 scheiterte aber an Proskuryakov, auch weil er noch beim Abschluss behindert wurde, was die Refs aber als regulär taxierten. So setze es im Mittelabschnitt eine Nullnummer ab. Und während die ZSC Lions im ersten Drittel die Tore machten, versagten alle Russen im zweiten Drittel, sobald sie Ari Sulander hätten bezwingen müssen.
Den entscheidenden Pass im Angriffsdrittel gelang Magnitogorsk auch im Schlussabschnitt weiter nicht, auch, weil ein Russe plötzlich wieder zu eigensinnig agierte. Anders die Lions. Nun auf Konter bedacht, spielten sie diese schnörkellos zu Ende. Blaine Down kämpfte sich nach 44 Minuten zu einer 1:1 Situation mit dem Goalie, an welchem er aber hängen blieb. Und als Monnet sieben Minuten später gar einen Penalty herausholte, schien die ZSC-Sensation perfekt zu werden. Alston rutschte die Scheibe aber im dümmsten Moment vom Stock, sodass er nicht einmal zum Abschluss kam. Und exakt in diesem Moment, als Proskuryakov parierte, verwandelte sich die Arena in ein wahres Tollhaus. Als ob Metallurg hier gerade das 3:2 erzielt hätte. Dabei stand es immer noch 0:2 und man schlitterte nahe am totalen Debakel vorbei. So kehrte aber Stimmung und prompt auch Spiel. Nach 51:01 gelang Atyushov nämlich das 1:2, mittels Hammer von der blauen Linie. Nun gab es von Metallurg ein Dauerdruck zu sehen. Die restlichen Minuten schnürte das Heimteam den Zett richtiggehend ein. Klasse, wie sich Metallurg teils durch die engen Lücken des Angriffsdrittels kombinierten. Und 43 Sekunden vor der Sirene fand Metallurg nochmals zum Erfolg. Rolinek zog von der blauen Linie ab und erwischte Sulander zwischen den Beinen. Das 2:2, die Partie egalisiert und so den Zett um zwei Punkte ärmer gemacht. Die Lions verpassten es sicher, vorher bereits das 0:3 zu erzielen und so das Spiel zu entscheiden. Trotzdem muss man nach so einem Spiel von einem Zürcher Happy Ende sprechen. Denn was bleibt, ist ein Punkt, welchen sich die ZSC Lions im Final Hinspiel als Underdog in Russland erkämpften, erspielten und jetzt stolz in die Schweiz zurücknehmen können. Bravo!
(Sandro Frei)
Telegramm
Arena-Metallurg - 7'700 Zuschauer (ausverkauft) - SR Husicka (CZE), Sindler (CZE); Blumel (CZE), Pouzar (CZE)
Tore: 0:1 09:14 Trudel (Schelling, Pittis), 0:2 12:05 Wichser (Sejna, Gardner), 1:2 51:01 Atyushov (Marek), 2:2 59:17 Rolinek (Varlamov).
Strafen: 4x2 (MAG), 4x2 (ZSC)
ZSC Lions: Sulander; Blindenbacher, Suchy, Sejna, Wichser, Gardner; Seger, Schnyder, Pittis, Trudel, Down; Geering, Schelling; Monnet, Bastl, Alston; Cadonau, Gloor, Grauwiler, Krutov, Kamber.
Metallurg Magnitogorsk: Proskuryakov; Atyushov, Varlamov, Marek, Kudrna, Rolinek; Malenkikh, Biryukov, Mirnov, Platonov, Kaigorodov; Bulin, Seluyanov, Zavaruhkin, Christov, Khlystov; Ibragimov, Khabarov, Pushkarev, Ermola, Fedorov.
Bemerkungen: ZSC Lions ohne Stoffel (rekonvaleszent), Bühler (Hirnerschütterung). Time Out ZSC Lions (51:01) und Metallurg (59:17). Alston verschiesst Penalty (51').



































